Aktuelle Ausgabe

Theater - Bühne - Christentum

Ausgabe: 2/2020
50. Jahrgang
 

Theater - Bühne - Christentum (2/2020)

Theater - Bühne - Christentum

Mayer, Tobias

Die Menschen sind Schauspieler auf der Theaterbühne ihres Lebens, die Geschichte ist ein : Das Theatrum vitae humanae und das Theatrum mundi ziehen sich motivisch durch die Dichtung und Philosophie von der Antike bis heute. Mit der metaphorischen Übertragung des Theaters auf die Wirklichkeit können dabei ganz unterschiedlich gefärbte Deutungen einhergehen: etwa der ethische Imperativ, die eigene Rolle gut auszufüllen; die Stärkung der unverfügbaren Macht des regieführenden Schicksals; christliche Vorsehungskonzepte, in denen das laufende Stück bereits ausgeschrieben scheint; aber auch die stoische Entschärfung des Lebens als bloßes Spiel, das die Seele unangetastet lässt.

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Dionysos taufen?

Nordhofen, Susanne

Die Menschen sind Schauspieler auf der Theaterbühne ihres Lebens, die Geschichte ist ein : Das Theatrum vitae humanae Perser des Aischylos und die der Bakchen des Euripides. Beides sind eher entlegene Stoffe, die viel mehr befremden als etwa Sophokles' Tragödien Ödipus oder Antigone, die öfter gegeben und in der Oberstufe der Schulen gelegentlich gelesen werden. Mit dem «Ödipuskomplex» oder mit der wieder aktuellen Frage, ob Staatsraison auch über Leichen gehen darf, kann der gebildete Laie immerhin etwas anfangen.

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Satanskapelle und Teufelsspieler

Marx, Peter W.

Das Verhältnis von Theater und Kirche ist stets ein spannungsvolles gewesen - vielleicht gerade weil es so viele Annäherungspunkte zwischen den beiden gibt: Wenn Goethe im Faust spottet, ein «Komödiant könnt' einen Pfafferer lehren», so benennt er einen dieser heiklen Kreuzungspunkte, nämlich das öffentliche Auftreten und zur Schau-stellen - 'performen' würde das Neu-Deutsch-Anglizistische Pendant heißen - von Emotion, Heiligkeit und Transzendenz. Dass dem Theaterhistoriker diese Nähe weitaus weniger problematisch erscheint als dies aus theologischer oder pastoraler Perspektive erscheinen mag, gehört wiederum zu den symptomatischen Spannungen des Verhältnisses.

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Wer sieht uns, wenn wir leiden?

Hentschel, Ingrid

Romeo Castellucci inszeniert mit Sul Concetto di Volto nel Figlio di Dio ein Spiel der Perspektiven. Unter dem unverwandten und reglosen Blick des riesigen Christusbildes von Antonello da Messina findet eine denkbar einfache und hochgradig irritierende Szene statt. Im weiß gehaltenen Bühnenbild säubert ein Sohn seinen greisen und inkontinenten Vater.

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Das Prinzip Theatralität bei Hans Urs von Balthasar

Haas, Alois M.

'Theatralität' ist heute nicht mehr eine auf Theater und seine Belange einzuschränkende Formel für die Performanz bühnenwirksamen Geschehens, sondern hat «in einer Vorstellung vom performativen Charakter der Inszenierung sprachlicher Zeichen» überhaupt den prinzipiellen Gehalt einer «Leitformel» «als Element der Strukturgeschichte der Kultur» bekommen.1 'Theatralität' hat also den Rang eines fundamentalen 'Diskurselements' (Helmar Schramm)2, «das, im Sinne einer Semiotik und Rhetorik des Zeigens und Zitierens, für die ikonologische wie für die textuelle Inszenierung kultureller Akte und Vorgänge von aufschliessender Bedeutung ist - in Ereignissen performativer Kunst und ihrer Repräsentation so gut wie in den Artikulationsformen der Wissenschaften, der politischen wie sozialen Institutionen».3

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Sterben für andere

Tück, Jan-Heiner

Die Vorstellung ist verbreitet, die Kirchenväter hätten vor allem die Denkangebote der hellenistischen Philosophie aufgegriffen, die Mythen der Dichter aber schroff abgelehnt. Die Mythen von allzu menschlichen Göttern wurden bekanntlich schon durch die Vorsokratiker, dann aber auch durch Platon und Aristoteles kritisiert. Xenophanes meinte: «Wenn die Ochsen und Rosse und Löwen Hände hätten oder malen könnten mit ihren Händen und Werke bilden wie die Menschen, so würden die Rosse rossähnliche, die Ochsen ochsenähnliche Göttergestalten malen und solche Körper bilden ...»1 Platon radikalisiert die Kritik an anthropomorphen Göttervorstellungen, indem er dem göttlichen Einen die Attribute der Einheit, Gutheit, Vollkommenheit und Unveränderlichkeit zuschreibt.

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Von der Täuschung zur Wirklichkeit

Schörghofer, Gustav

Die Kunst Westeuropas ist seit ihren Anfängen im frühen Mittelalter, im 8. Jahrhundert, wesentlich Raumgestaltung. Malerei und Bildhauerei haben durch das ganze Mittelalter hindurch ihren Ort im größeren Zusammenhang der Architektur. Am Beginn des 15. Jahrhunderts geschieht in Italien, in der Toskana, ein gewaltiger Wandel. Nun werden Bilder gestaltet, die nicht mehr bloß der Architektur eingefügt sind, sondern die in sich selbst den Charakter des Gebauten, des Architektonischen haben. Das von Masaccio in Santa Maria Novella in Florenz gemalte Fresko mit der Dreifaltigkeit, das erste bekannte Bild, das konsequent nach den Gesetzen zentralperspektivischer Konstruktion aufgebaut ist, zeigt einen Raum, der als Fortsetzung des realen Raumes erscheint.

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Von der Messe zum Ritus, vom Oratorium zum geistlichen Spiel

Gassmann, Michael

«Das Thema des inszenierten Oratoriums, erzählerisch oder nicht, hat in den letzten zwanzig Jahren auf spektakuläre Weise an Bedeutung gewonnen. Die Erneuerung des Repertoires und die Vielfalt der Regisseurs-Persönlichkeiten im Opernbereich haben diese Öffnung möglich gemacht, und man kann inzwischen von einer eigenen Gattung sprechen.»

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Die Konstellation von Glauben und Wissen

Schmidt, Thomas M.

Jürgen Habermas hat sich in den vergangenen Jahrzehnten intensiv mit dem Verhältnis von Glauben und Wissen beschäftigt. Er hat seine Position in dieser Frage stets reflektiert und im Laufe der Jahre modifiziert. So vertrat er in seinem Hauptwerk aus den frühen 1980er Jahren, der Theorie des kommunikativen Handelns1, noch eine klassische Theorie der Säkularisierung. Die Moderne sei das Produkt zunehmender Rationalisierung und Ausdifferenzierung der gesellschaftlichen Teilbereiche, wie sie etwa in der Trennung der Kirche von Staat, Kunst und Moral greifbar werde. Eine zunehmende Versprachlichung des Sakralen führe zur Auflösung und kommunikativen Verflüssigung substantieller religiöser und metaphysischer Vorstellungen.

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Wie kann die christliche Botschaft glaubwürdig werden?

Poljakova, Ekaterina

Man denke an die Kathedrale S. Marco in Venedig - byzantinische Kuppeln und gotische Türme, Säulen und Pfeiler, orientalische Mosaike und die Chorschranke mit Figuren der Apostel, das goldene Relief des Markuslöwen und der Viergespann mit bronzenen Pferden. Das alles bildet eine Einheit, die für mich selbst unerwartet in den folgenden, unbegreiflichen Worten zum Ausdruck kommt: die ungeteilte Kirche. Die Kathedrale wurde 1063-1094 bald nach der großen Kirchenspaltung 1054 erbaut und seitdem mehrmals ergänzt und teilweise umgestaltet.

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Katholische Wege in die Moderne

Stoll, Christian

In der gegenwärtigen deutschen Theologie wird Modernität meist einseitig in Anspruch genommen. Wer einen modernen Katholizismus propagiert, verbindet dies nicht selten mit dem Vorwurf, der Gegner sei «vormodern» oder «antimodern» und befinde sich damit an einem intellektuellen Ort, der so entlegen und unbehaglich ist, das ihn offenbar niemand besiedeln will. Die so Gescholtenen machen sich diese Etiketten nämlich heute anders als in früheren Zeiten nicht zu eigen. Sie meiden den Modernebegriff und bevorzugen stattdessen die Modi der Zeitgeistkritik und orthodoxen Selbstbehauptung.

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Gottfried Benn: Epilog (V)

Kleinschmidt, Sebastian

Das Gedicht ist vier Jahre nach Kriegsende entstanden, sieben Jahre vor Benns Tod. Er hat es als Schlussakkord eines Zyklus gesetzt, den er Epilog 1949 nannte und der den Band Trunkene Flut abschließt, der nach Jahren verordneten Schweigens als erstes seiner Nachkriegsbücher in Deutschland erscheinen konnte. Benn war damals dreiundsechzig Jahre alt. Was den aus fünf Gedichten bestehenden Zyklus eint, ist der elegische Ton, die Motive des Weggehens, ein inneres Hinsagen von Abschied überhaupt. Jedes der Gedichte sollte auf einer eigenen Seite stehen und so seine Selbständigkeit innerhalb der Reihe bewahren.

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