Aktuelle Ausgabe

Orden in unruhiger Zeit

Ausgabe: 3/2020
50. Jahrgang
 

Orden in unruhiger Zeit (3/2020)

Rettende Erinnerung: Orden in unruhiger Zeit

Bieringer, Andreas

Innerhalb der christlichen Denominationen gehört die Vielfalt der Ordensgemeinschaften zu den katholischen Alleinstellungsmerkmalen. Ihr Einsatz befeuerte von Benedikt von Nursia (+ 547) bis weit über das Zweite Vatikanische Konzil hinaus alle kirchlichen Reformbemühungen. Am Beginn dieser langen Tradition steht das frühchristliche Mönchtum, dessen Erbe wir bis heute mit den Kirchen des Ostens teilen. Männer und Frauen ließen das gottlose Treiben spätantiker Städte zurück, um in der Abgeschiedenheit der Wüste als Asketen ein neues Ideal von Heiligkeit zu initiieren.

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Der Zeichencharakter des Ordenslebens

Vechtel, Klaus

Die Orden und ihre Tätigkeiten in diakonischen, spirituellen und pädagogischen Bereichen waren eine entscheidende Stütze eines Katholizismus, der seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis hinein in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts den katholischen Glauben als ein stark in sich geschlossenes Milieu kennzeichnete. Die Orden erschienen dabei sowohl als Vorbild für christliches Leben und kirchliches Engagement als auch als Integrationsinstanz, die den Milieukatholizismus förderte und zusammenhielt.

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Notwendiger Neuanfang

Eckerstorfer, Bernhard A.

Im Jahre 593 befand sich Papst Gregor der Große in einer persönlichen Krise, von der er uns selbst erzählt. Hinter ihm lag eine beeindruckende weltliche und kirchliche Karriere: Für zwei Jahre war er Praefectus urbis, bevor er den Familienpalast auf dem Caelius in das Andreas-Kloster verwandelte, in das er sich selbst zurückzog. Für acht Jahre verließ er sein Kloster, um als Nuntius (Apokrisiar) am kaiserlichen Hof in Konstantinopel zu dienen, doch lebten dort Mönche seines römischen Klosters mit ihm.

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Mittendrin: Im Leben. In der Verheißung. In der Herausforderung

Müller, Christine

Frankfurt am Main. Messestadt, Börsenstadt, ungefähr 750.000 Einwohner aus 177 Nationen, Bankentürme neben Konsumräumen, Vertretungen aller Weltreligionen. Die Stadt atmet Pluralität, Veränderungsbereitschaft, es sind Geschäftsleute, Straßenkünstler, Wohnungslose, Gutbürgerliche anzutreffen – und Ordensleute, mittendrin. Als Teil der Stadt haben sie Anteil an deren Leben, deren Verheißung, deren Herausforderungen. Und sie tragen ihr eigenes Lebenszeugnis, die sie erfüllende Verheißung, die von ihnen ausgehenden Herausforderungen in die Stadt hinein.

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Theologie der Spiritualität

Schulte, Ludger

«Im menschlichen Leben gehören Wissen, Weisheit und Credo immer zusammen, wenn es darum geht, wichtige Entscheidungen zu treffen, Herausforderungen zu beantworten und Handlungen zu verantworten.» Dieses bemerkenswerte Wort stammt von keinem Geringeren als dem Psychologen und Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schulz von Thun. Ob Schulz von Thun beim Gebrauch des Wortes «Credo» das Apostolicum gemeint hat, steht dahin, möglicherweise lediglich die Annahme, dass es ohne ein klares Bekenntnis zu Überzeugungen im Angesicht von großen Herausforderungen nicht zu guten Entscheidungen kommt.

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Ordenspäpste und Kirchenreform

Ernesti, Jörg

Ordensmänner, die zum Papst gewählt wurden, und die Reform der Kirche - besteht hier ein Zusammenhang? Man könnte auch allgemeiner fragen: Hat es irgendeine Auswirkung auf die Leitung der Kirche gehabt, dass bestimmte Inhaber dieses höchsten Amtes dem Ordensstand entstammten? Hat sich ihr spezifisches Ordenscharisma auf die Weise ihrer Amtsausübung ausgewirkt? Wurde die Erneuerung der Kirche in besonderem Maße getragen von Ordenspäpsten?

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Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen

Papst Franziskus;Großimam Ahmad Al-Tayyeb

Der Glaube lässt den Gläubigen im anderen einen Bruder sehen, den man unterstützt und liebt. Aus dem Glauben an Gott, der das Universum, die Geschöpfe und alle Menschen - aufgrund seines Erbarmens - mit gleicher Würde erschaffen hat, ist der Gläubige gerufen, diese menschliche Brüderlichkeit zum Ausdruck zu bringen, indem er die Schöpfung und das ganze Universum bewahrt und jeden Menschen unterstützt, besonders die am meisten Bedürftigen und die Ärmsten.

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Das Abu Dhabi Dokument: Eine katholische Lesehilfe

Müller, Gerhard Kardinal

Während seiner Apostolischen Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate unterzeichnete Papst Franziskus am 4. Februar 2019 zusammen mit dem Groß-Imam von Al-Azahr Ahmad Al-Tayyeb das «Dokument über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt».

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Das Dokument von Abu Dhabi: Eine politisch-theologische Debatte

Körner, Felix

Seit Jahren werden von katholischer und islamischer Seite gemeinsame Erklärungen verfasst und unterzeichnet. Das Dokument von Abu Dhabi fällt trotzdem aus dem Rahmen. Denn hier sind die Unterzeichner Papst und Großimam. Das wertet den Text auf - und den islamischen Gesprächspartner. Denn er ist kein 'islamischer Papst'. Seit 1924 gibt es keinen Kalifen mehr. Seither kann niemand beanspruchen, die eine Stimme zu sein, die für einen Großteil der Muslime sprechen könnte, geschweige denn für den Islam weltweit.

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Ein langer Karsamstag

Schärtl, Thomas

Womöglich ist es viel zu früh, theologisch über eine Krise nachzudenken, deren medizinisches, soziales und wirtschaftliches Ausmaß noch gar nicht zu überblicken ist. Einige Soziologen wagten sich aber bereits so weit vor, die (von den Medien so betitelte) «Corona-Krise» als epochale Zäsur zu verstehen, die unser Leben unwiederbringlich verändern wird. Die medizinischen, wirtschaftlichen, psychologischen und ethischen Fragen, die diese Krise und der Umgang mit ihr aufwerfen, werden uns alle sicher noch eine geraume Zeit beschäftigen, selbst wenn wir die für Menschen so typische, manchmal auch segensreiche Gabe der Verdrängung in Rechnung stellen.

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Ressourcen des Christentums

Knop, Julia

Der französische Philosoph und Sinologe François Jullien sprach im Frühjahr 2016 im Rahmen des Cours méthodique et populaire de philosophie an der Bibliothèque nationale de France und an der Université catholique von Lyon über «Ressources du christianisme». 2019 erschien diese Vorlesung in deutscher Übersetzung beim Gütersloher Verlagshaus. Es handelt sich um einen 120seitigen Essay über das Johannesevangelium, gelesen als kulturelle Ressource.

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Ferner Trost - verlorene Gottesspuren

Salmann, Elmar

Kirchen werden heute eher besichtigt als aufgesucht, Orden sozialpsychologisch analysiert, kaum jemand tritt dort ein, Klöster werden geschlossen, eines nach dem anderen, eine Art Dominoeffekt. Und doch stehen die Gebäude in der Landschaft, erratische Blöcke der Erinnerung eines Ehedem und Einst, stein- und raumgewordenes Gebet. Die Räume sind zu hoch, tief, weit für unsere heutigen Versammlungszwecke und sprechen uns doch an. Die weiten Bögen sind Gleichnisse unserer Lebensparabel, rahmen unsere kleine Existenz, entführen sie ins Weite, sind wie ein fernes Echo der Unwiderruflichkeit und Unvorhersehbarkeit menschlichen Handelns und Leidens.

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